Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft (German Studies)

Vertiefungskurs/Aufbaukurs/Ergänzungskurs LW I: Natur im Mittelalter

Mittwoch, 11.03.2020

In mittelalterlichen Texten wird die Natur von der göttlichen Schöpfung und dem christlichen Heilsplan her gedacht. Der Bibelvers ‘füllet die Erde und machet sie euch untertan’ (Genesis 1,28) unterliegt noch nicht – wie in späteren Jahrhunderten – der Idee einer ‘Ausbeutung’ der Natur. Dabei sind vielfältige Spielräume möglich. So entwickelt sich im 12. Jahrhundert etwa die Vorstellung, dass die Natur als ‘Stellvertreterin Gottes’ in einem weitgehend autonomen Wirkungsbereich agiert. In Dichtungen wie jenen des Alanus ab Insulis (12. Jh.) tritt sie als Personifikation auf, deren vielschichtiges Gewand ein Abbild der Schöpfung trägt. Sie erscheint als ‘Dei proles genitrixque rerum, vinculum mundi’ (‘Gottes Nachkomme, Gebärerin der Dinge, Band der Welt’, ›De planctu Naturae‹, ‘Von der Klage der Natur’, Metrum IV). Der Kurs geht der Frage nach, wie sich das Verhältnis von Mensch und Natur vor diesem Hintergrund konstituiert. In den Blick kommen Texte wie der ›Physiologus‹ (christliche Naturdeutung nach einer griechischen Vorlage von ca. 200 n.Chr.), Imaginationen des Mikrokosmos-Makrokosmos-Schemas (Hildegard von Bingen u.a.), Topoi zur Natur in Lyrik und Epik (Natureingang, Locus amoenus), Alanus und die volkssprachige Alanus-Rezeption u.a. bei Heinrich Frauenlob und Heinrich von Mügeln im 14. Jh. Berücksichtigt werden auch naturkundliche und medizinische Texte wie z.B. Edelsteinbücher und das ›Buch der Natur‹ des Konrad von Megenberg von 1348/50.

Dozierende(r): Prof. Dr. Michael Stolz
11.03.2020:14:15 - 16:00
Ort: F -123, Seminarraum
Unitobler
Lerchenweg 32-36

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